Entwerfen und Nachhaltiges Bauen

Bernadette Lang-Eurisch erhält den Heinz-Stillger-Preis 2022

Auf dem Foto v.l.n.r.: Elke Stillger, Prof. Kerstin Molter, Jeanne Bieneck, Clara Wolf, Bernadette Lang-Eurisch, Kim Weyrauch und Louisa Winter. Foto: Josephine Kempf.

Thema ihrer Forschungsarbeit: „Der Weg zum klimaneutralen Gebäudebestand 2050“

Laudatio

Bernadette Lang-Eurisch untersucht in ihrer Forschungsarbeit die drei bekanntesten international etablierten Zertifizierungssysteme für die Nachhaltigkeit von Gebäuden. In einer detaillierten Analyse stellt sie die Kriterien nach denen die Gebäude zertifiziert werden gegenüber. Im Vordergrund stehen dabei insbesondere die C02-Betrachtung mittels Ökobilanzierungsmethoden und der Quartiersbezug in den Zertifizierungsprozessen.

Bernadette Lang-Eurich gelingt es, die Themenstellung und die sich daraus ableitenden Fragestellungen durch die Erstellung einer Bewertungsmatrix sehr übersichtlich und nachvollziehbar zu beantworten. Insbesondere die von ihr erstellten Diagramme haben einen hohen Erkenntniswert. Sie beschreibt die Potenziale und Grenzen der Systeme und zeigt Weiterentwicklungsmöglichkeiten auf, die die Bilanzierungsmethodik im Zertifizierungsprozess verbessern sollen.

Mit wissenschaftlicher Neugier und inhaltlicher Genauigkeit ist es Frau Lang-Eurisch gelungen, im Rahmen ihres Forschungsmoduls eine Grundlage zu formulieren, aus der sich valide Aussagen zur Vergleichbarkeit der Zertifizierungssysteme ableiten lassen.

Der hohe Grad an eigenständiger und methodisch schlüssiger Vorgehensweise bei der Bearbeitung der Forschungsfrage ist besonders herauszustellen und äußert sich nicht zuletzt in der inhaltlichen Tiefe der Forschungsdokumentation.

Architektur als Synergie

Wir wollen in Lehre und Forschung dazu beitragen, das weit gespannte Feld der Nachhaltigkeit als selbstverständlichen übergeordneten integralen Aspekt des Bauens zu etablieren. Die Auseinandersetzung mit dem Gebäudebestand und seinem energetischen wie kulturellen Gedächtnis liegt hierbei besonders im Blickfeld.

Die Entwurfslehre vermittelt das Innovationspotential ökologisch relevanter Bedingungen als gestaltprägende Parameter der Architektur. Der Entwurfsprozess bildet dabei das dazu notwendige übergreifende Zusammenwirken unterschiedlicher Fachdisziplinen ab. Entwurfsspezifische Strategien zur Energiegewinnung, -speicherung und -einsparung im einzelnen Architekturobjekt wie im urbanen Verbund werden aus den Entwicklungslinien ursprünglicher autochthoner Architekturtypen abgeleitet und in den aktuellen Kontext transformiert.

Nachhaltiges Bauen ist nicht nur eine Frage der Technik

„Für die wahre ökologische Wende beim Bauen braucht es auch gute Architektur“, sagt Christoph Kuhn. Er ist seit 2013 Professor für Entwerfen und Nachhaltiges Bauen am Fachbereich Architektur.

Prof. Christoph Kuhn

Die Berücksichtigung des Ressourceneinsatzes zur Materialisierung des Gebauten, zu seiner Fügung, möglichen Veränderung oder Auflösung gehören ebenso in das komplexe Zusammenspiel einer Architekturkonzeption wie die sanfte Integration unterstützender Technologien. Wir denken Architektur als synergetisches System, das immer eine spezifische Antwort auf die jeweilige Aufgabenstellung geben muss. Synergie bedeutet hierbei architektonischer Ausdruck einer dynamischen Balance, die ihre Wirkung in einem menschlich begreifbaren Rahmen zwischen Vergangenheit und Zukunft organisiert.
Für die Forschung bietet das Fachgebiet in diesem Sinne eine experimentelle Plattform, auf der wir mit kreativen Partnern neue Wege jenseits des Anerkannten erfinden, testen und nutzbar machen möchten.