Entwerfen und Nachhaltiges Bauen

Maren Schröder erhält den Fachbereichspreis für die beste Masterthesis im Sommer 2023

Das Fachgebiet ENB gratuliert allen Absolventen und den Preisträgern der Masterthesis „Neue Frankfurter Schule – Weiterbau der Holzhausenschule“ im Sommersemester 2023.

Aufgabe:

Unter Einbeziehung der seit zehn Jahren leerstehenden Holzhausenschule des Architekten Martin Elsaesser aus dem Jahr 1929, sollte eine neue Grundschule entworfen werden, die sich zum angrenzenden Quartier hin öffnet und zu einem rund um die Uhr flexiblen Spielfeld für die Stadtgesellschaft wird. Das Bestandsgebäude war als ökologische und kulturelle Ressource zu betrachten. Zu klären war außerdem die Frage, welche Rolle Architektur als bauliche Fassung von Erziehung, Bildung und Kultur spielen darf und muss.

Maren Schröder greift die Grundstruktur des Stahlbeton-Skelettbaus von Martin Elsaesser auf und ergänzt sie mit einer Tragstruktur, die den Bestand zitiert und sich über ihn aussteift. Als Material wählt sie Käfer-Brettsperrholz-Elemente, die in CNC dem Tragverlauf entsprechend gefräst werden. Aus den Materialresten entstehen Trennwände, die die Innenräume des entkernten Bestandsbaus strukturieren. In den Ebenen stuft sich die Gemeinschaftlichkeit ab, von der bewegten Vorzone zum Hof hin, über die gemeinschaftliche Mitte zu den Rückzugsbereichen an den Rändern. Mit den sich in den Hof hin öffnenden Anbauten sowie der neu formierten Zonierung wird der Grundriss von den linearen Dimensionen der Flurschule befreit und wächst zu einer vielfältig gerichteten Lernlandschaft, über die sichtbare Freitreppe in den Hof und Hain und in die Nebengebäude.

Das Haus öffnet sich im untersten Geschoss zur Straße hin. Die Aula öffnet sich vom höher gelegten Hof über eine Sitztreppe auf den Vorplatz. Das Eltern-Lehrer-Café mit Bibliothek vermittelt zweigeschossig zwischen Haupthaus und seiner Umgebung. Die Werkstätten zur Ostseite lassen die jungen Lernenden und Lehrenden mit Kreativschaffenden allen Alters zusammenkommen. Die Nachbarschaft ist herzlich eingeladen, hier das Haus auch am Abend und am Wochenende zu nutzen.

Projekte

Dr. David Sauerwein, Niall Fitzgerald und Prof. Christoph Kuhn veröffentlichen Artikel in „energies“ (MDPI) zur Temperaturabsenkung im Architekturgebäude

Wir freuen uns sehr, dass unsere Forschungsergebnisse im Rahmen des EnEff:Campus Lichtwiese Projekts in „energies“ (MDPI) veröffentlicht wurden. Die Temperaturabsenkung in Heizungsanlagen ist ein Schlüssel zur Dekarbonisierung der Wärmeversorgung im Gebäudesektor, denn sie ist ein Türöffner für eine stärkere Integration von erneuerbarer Wärme, die Nutzung von Abwärme und die Verbesserung der Kompatibilität von Wärmepumpen. Dies scheitert häufig daran, dass Heizungsanlagen im unsanierten Gebäudebestand in der Regel hohe Vorlauftemperaturen benötigen. Um zu untersuchen wie hoch das erreichbare Temperaturabsenkungspotential ist, wurde 2020 ein Demonstrator mit zwei unterschiedlichen Deckenheizungssystemen im denkmalgeschützten Architekturgebäude integriert und messtechnisch begleitet. Die Ergebnisse sind ermutigend, denn sie zeigen, dass bereits bei unsanierter Gebäudehülle eine deutliche Temperaturabsenkung auf unter 45 °C möglich ist, ohne die normativen Grenzen der thermischen Behaglichkeit zu überschreiten.

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Bernadette Lang-Eurisch erhält den Heinz-Stillger-Preis 2022

Auf dem Foto v.l.n.r.: Elke Stillger, Prof. Kerstin Molter, Jeanne Bieneck, Clara Wolf, Bernadette Lang-Eurisch, Kim Weyrauch und Louisa Winter. Foto: Josephine Kempf.
Auf dem Foto v.l.n.r.: Elke Stillger, Prof. Kerstin Molter, Jeanne Bieneck, Clara Wolf, Bernadette Lang-Eurisch, Kim Weyrauch und Louisa Winter. Foto: Josephine Kempf.

Thema ihrer Forschungsarbeit: „Der Weg zum klimaneutralen Gebäudebestand 2050“

Laudatio

Bernadette Lang-Eurisch untersucht in ihrer Forschungsarbeit die drei bekanntesten international etablierten Zertifizierungssysteme für die Nachhaltigkeit von Gebäuden. In einer detaillierten Analyse stellt sie die Kriterien nach denen die Gebäude zertifiziert werden gegenüber. Im Vordergrund stehen dabei insbesondere die C02-Betrachtung mittels Ökobilanzierungsmethoden und der Quartiersbezug in den Zertifizierungsprozessen.

Bernadette Lang-Eurich gelingt es, die Themenstellung und die sich daraus ableitenden Fragestellungen durch die Erstellung einer Bewertungsmatrix sehr übersichtlich und nachvollziehbar zu beantworten. Insbesondere die von ihr erstellten Diagramme haben einen hohen Erkenntniswert. Sie beschreibt die Potenziale und Grenzen der Systeme und zeigt Weiterentwicklungsmöglichkeiten auf, die die Bilanzierungsmethodik im Zertifizierungsprozess verbessern sollen.

Mit wissenschaftlicher Neugier und inhaltlicher Genauigkeit ist es Frau Lang-Eurisch gelungen, im Rahmen ihres Forschungsmoduls eine Grundlage zu formulieren, aus der sich valide Aussagen zur Vergleichbarkeit der Zertifizierungssysteme ableiten lassen.

Der hohe Grad an eigenständiger und methodisch schlüssiger Vorgehensweise bei der Bearbeitung der Forschungsfrage ist besonders herauszustellen und äußert sich nicht zuletzt in der inhaltlichen Tiefe der Forschungsdokumentation.

Architektur als Synergie

Wir wollen in Lehre und Forschung dazu beitragen, das weit gespannte Feld der Nachhaltigkeit als selbstverständlichen übergeordneten integralen Aspekt des Bauens zu etablieren. Die Auseinandersetzung mit dem Gebäudebestand und seinem energetischen wie kulturellen Gedächtnis liegt hierbei besonders im Blickfeld.

Die Entwurfslehre vermittelt das Innovationspotential ökologisch relevanter Bedingungen als gestaltprägende Parameter der Architektur. Der Entwurfsprozess bildet dabei das dazu notwendige übergreifende Zusammenwirken unterschiedlicher Fachdisziplinen ab. Entwurfsspezifische Strategien zur Energiegewinnung, -speicherung und -einsparung im einzelnen Architekturobjekt wie im urbanen Verbund werden aus den Entwicklungslinien ursprünglicher autochthoner Architekturtypen abgeleitet und in den aktuellen Kontext transformiert.

Nachhaltiges Bauen ist nicht nur eine Frage der Technik

„Für die wahre ökologische Wende beim Bauen braucht es auch gute Architektur“, sagt Christoph Kuhn. Er ist seit 2013 Professor für Entwerfen und Nachhaltiges Bauen am Fachbereich Architektur.

Prof. Christoph Kuhn

Die Berücksichtigung des Ressourceneinsatzes zur Materialisierung des Gebauten, zu seiner Fügung, möglichen Veränderung oder Auflösung gehören ebenso in das komplexe Zusammenspiel einer Architekturkonzeption wie die sanfte Integration unterstützender Technologien. Wir denken Architektur als synergetisches System, das immer eine spezifische Antwort auf die jeweilige Aufgabenstellung geben muss. Synergie bedeutet hierbei architektonischer Ausdruck einer dynamischen Balance, die ihre Wirkung in einem menschlich begreifbaren Rahmen zwischen Vergangenheit und Zukunft organisiert.
Für die Forschung bietet das Fachgebiet in diesem Sinne eine experimentelle Plattform, auf der wir mit kreativen Partnern neue Wege jenseits des Anerkannten erfinden, testen und nutzbar machen möchten.